Polens Baby-Liebesgarten Tuli Luli

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Tuli Luli heißt Schmusewiege

Polen ist immer für eine Überraschung gut, obwohl es politisch mal wieder die ultra-konservativen Schuhe trägt. Aber ganz gleich, wer regiert: Die Familie ist den Polen bis heute heilig, was sich natürlich auch aus dem das Land prägenden Katholizismus ergibt.
Dieses Land gebar nun eine wunderbare Idee, die den
Babys zugute kommt, die einen schwierigen Start ins Leben haben, weil ihre Eltern sie nicht halten konnten oder wollten und zur Adoption freigegeben haben. Aufgrund einer Stiftung kam eine Initiative zustande, die sich den allein gelassenen Babys widmet und unter dem Namen Tuli Luli das sehr kinderfreundliche, aber auch antibabypillenfeindliche Polen zu Ehren kommen lässt. Tuli Luli heißt übersetzt Schmusewiege und ist die beste Erfindung für mutter- und/oder vaterlose Babys.
Statt einer sonst üblichen Betreuungseinrichtung mit dem eher traurigen Namen „Kinderheim“ kamen vor einem Jahr Menschen zu der Überzeugung, dass eine ausgegliederte Betreuungseinrichtung für die Allerjüngsten einen besseren Start ins Leben bietet als das bisher Praktizierte. Und so beteiligten sich Land und Stadt an den Kosten für das Betreuungspersonal in der Stadt Lodz, während genügend Finanz- und Sachspenden für die Ausstattung sorgten. Inzwischen ist aus der Idee eine gut organisierte Einrichtung geworden, in der es den Babys an nichts fehlt und bei der Transparenz über Nöte und Kosten großgeschrieben wird. Viele Menschen waren derart angetan von der Idee, dass sie sich die Zeit nahmen, als Liebkoser und Streichler der Babys Stunden ihrer Freizeit zu opfern, denn ohne Kontrolle ihrer Person und einer Einführung in ihre neue schöne Tätigkeit durfte mit dem Streicheln nicht begonnen werden. Ein Jahr lang genießen nun die Babys das TuliLuli und warten so freudvoll auf ihre Adoptiveltern, die das Streicheln dann fortsetzen.
Jolanta Kaluszna ist die Leiterin des TuliLuli-Babygartens in Lodz und weiß den Unterschied zwischen Heim und ihrem „Baby-Streichel-Zoo“ zu benennen. Über facebook erfuhren viele Frauen von dieser Einrichtung und sind seitdem dort streichelnd tätig.

Polen tickt gerade ganz anders

Das Kind in den Mittelpunkt von Gesellschaft und Politik zu rücken, lag den Polen immer schon mehr am Herzen als den Deutschen. Auch Senioren genießen dort einen etwas anderen Status. Öffentliche Verkehrsmittel, Taxifahrten, auch Eintrittskarten für kulturelle Veranstaltungen sind verbilligt zu haben. Die Wertschätzung ist dabei das Eine, die finanzielle Absicherung das Andere. Da lag auch in Polen lange letzteres im Argen.
Seit einem Jahr wird Polen nun von der nationalkonservativen PiS regiert. Das Parteiprogramm sah nun andere Inhalte vor, die zum Teil schon umgesetzt sind:
a) Die Schaffung eines großzügigen Kindergeldes,
b) die Mindestlohnerhöhung von rund acht Prozent
c) die teilweise Einführung kostenloser Medikamente für Senioren.

So wunderbar der Bürger diese Sozial- und Familienpolitik auch finden und annehmen mag, hat diese „Goldmedaille“ für das polnische Volk leider auch eine zweite nicht so glänzende Seite. Das Land steht nämlich wegen seiner Eingriffe in demokratische Strukturen und der Ablehnung, Flüchtlinge islamischen Glaubens aufzunehmen, bei der EU und auch speziell bei der deutschen Kanzlerin in der Kritik. Unter der Federführung Kaczynskis, der die Fäden im Hintergrund zieht, fand in Polen zum wiederholten Mal eine Gleichschaltung der öffentlich-rechtlichen Medien statt mit einer faktischen Lahmlegung des Verfassungsgerichts. Auch im Bildungsbereich finden Umbauten statt, die nicht mehr nach Realitäten polnischer Geschichte fragen, sondern nach der Wunschgeschichte, geschrieben von der Regierungspartei PiS (Recht und Gerechtigkeit).

Aber zurück zur polnischen Familie. Diese darf sich freuen, wahrgenommen und fürs Kinderbekommen und Kindererziehen belohnt zu werden.
Und wir Deutschen, die wir gerne unsere moralische Nase hoch in den Wind halten, sollten einmal bereit sein, gute Dinge von anderen zu lernen und ebenfalls anzuwenden. Ein Lilalu-Baby-Streichelgarten wäre doch ein netter Liebesbeweis für deutsche Babys mit Mutter- oder Vater-Handycap. Es werden allerdings unsere voll ausgebildeten Feministinnen Sturm laufen gegen die Vermütterlichung der Frau. Da doch besser auf der kinderlosen Genderleiter emporsteigen oder bei den Babys nachfragen, ob sie denn mal ein Junge oder Mädchen werden wollen. Schließlich macht eine Schwalbe  (ein „Piepmatz“)  noch keinen Sommer (Jungen).

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