DENK-BLOG

Ich denke, also bin ich (René Descartes)

Die Welt um uns herum ist hochkompliziert geworden, für die aber auch wir Verantwortung tragen. Der Bedarf an differenzierten Antworten auf vorhandene Probleme ist riesig und politisch verordnete „Alternativlosigkeit“ demaskiert die Arroganz der Macht. Die Folge dieser Arroganz ist die Spaltung unserer Gesellschaft, ist der Verlust von Demokratie und Freiheit und die Zerstörung des Sozialstaats durch die weiter wachsende Verteilungsungerechtigkeit. Mein Weckruf hinein in das politische und gesellschaftliche „Schlaflabor Deutschland“ greift nach meinem Bürgerrecht, diese Welt mit zu gestalten und zu verändern. Nutzen wir die Restbestände von Freiheit, in Gedanken, Wort und Schrift eine „Gemeinschaft der Denker und umDenker“ zu bilden, die sich auf den Weg gemacht hat.

Mein umDenk-Blog berichtet, kritisiert, fordert, provoziert, analysiert, zürnt, tröstet und ruft dir zu:
„Mensch, wach auf!“

Der Klimawandel und der Glaubenskrieg


Share
Gastbeitrag von Kurt Rohmert
Foto: pixabay, freie Bildnutzung, kein Bildnachweis nötig

Erinnern Sie sich noch 1981? Riesige Panik in Deutschland! Prof. Bernhard Ulrich schockte das Land mit seiner These vom Weltuntergang. Er formulierte: „Die ersten großen Wälder werden schon in den nächsten fünf Jahren sterben. Und weiter:Es droht das Aussterben der Menschheit! Das sogenannte Waldsterben kennzeichnete damals eine Kampagne, die an einen Schwindel grenzte. Dabei hätte einfache Logik ausgereicht, um die These vom „Sauren Regen“ als Ursache zu widerlegen. Naturschutzaktivisten erkannten den Nutzen dieser hysterischen Stimmung. So zogen die Grünen mit oder besser durch dieses Thema in den Bundestag ein. Der Vorgang wurde zum Muster für spätere Kampagnen. Trotz allem – einen gesunden Wald hat es nie gegeben und gestorben ist er auch nicht. (1)

Geschichte wiederholt sich. Das kennen wir. Heute wird wieder von den Grünen von einer/einem Klimakatastrophe/Kollaps geredet. Sie behaupten, es drohe der Weltuntergang, gemacht durch den Menschen.

Was ist dran an dieser Behauptung? Fest steht, seit es die Erde gibt, ändert sich das Klima laufend, teilweise auch dramatisch. Es gab Phasen der Abkühlung (Eiszeiten) und solche der Erwärmung. Diese Klimaveränderungen entstanden durch natürliche Einflüsse (es gab noch keine Menschen), bei der neueren Erderwärmung geht man jedoch auch von menschlichen Einfüssen aus.

Schauen wir uns die Klimageschichte der Erde an (2 und 3). Seit jeher wirkten sich sowohl punktuelle wie auch zyklische Ereignisse auf das Klima aus. Nicht alle sind ausreichend erforscht. Die Sonne hat wohl den größten Einfluss auf das Klima. Ebenso spielen die Neigung der Erdachse und die Umlaufbahn der Erde um die Sonne eine Rolle. Erforscht hat das der Astrophysiker Milankovic. Obwohl uns als Betrachter das Sonnenlicht (unsere Heizung) stabil erscheint, ist das nicht der Fall. Satelliten zeigen, dass die Strahlung der Sonne starken Schwankungen unterworfen ist. Auch die sog. Sonnenwinde (elektr. geladene Teilchen) variieren stark.  Von ihnen spricht man dann, wenn durch Eruptionen auf der Sonne eine unvorstellbare Menge Energie ins All geschleudert wird. Diese Sonnenflecken wurden schon von Galileo Galilei beobachtet.

Die Wissenschaft erforscht im Rahmen der Klimaforschung (Paläoklimatologie) in Bezug auf die Sonne drei wesentliche Faktoren. 1. Die UV-Strahlung der Sonne (sie hat wesentlichen Einfluss auf unsere Ozonschicht, die wiederum die Bewegungen der Luftmassen beeinflusst). 2. Die Sonnenwinde (sie sollen die Bildung von Wolken und die Wirkung auf das Klima durch Verhinderung von Sonneneinstrahlung beeinflussen). 3. Die minimale Sonnenaktivität und die daraus resultierende vermehrte kosmische Strahlung. Eine genaue Erforschung all dieser Phänomene wird aber noch Jahre dauern.

Für den natürlichen Klimawandel gibt es einen weiteren Faktor: den Kontinentaldrift. Auf der Erde bewegen sich riesige Landmassen. So gab es  früher (vor Millionen Jahren) nur einen Kontinent, aus dem dann Afrika, Südamerika, Australien und die Antarktis entstanden sind. Auch schon bekannt ist, dass die weltweite Erwärmung entsteht, wenn der CO2 Anteil wächst und ein natürlicher Treibhauseffekt entsteht, etwa durch Vulkane. Diese haben schon erheblich das Klima veändert (z.B. 1784 in Deutschland oder 1816 in Indonesien).

Der Klimawandel ist also Teil natürlicher Zyklen und so stellt sich zwangsläufig die Frage, was ist vom Menschen verursacht. Seit Milankovic wissen wir, dass schon geringe Änderungen der Sonnenstrahlung eine Änderung der Temperatur und diese eine Änderung des Kohlendioxid-Gehalts der Luft auslösen. Die Erhöhung der durchschnittlichen Temperatur (bislang 0,7 Grad von 1750 bis 2010) auf der Erde, ermöglicht durch den Treibhauseffekt, kann verschiedene Auswirkungen haben, die allerdings schwer vorhersagbar sind. Als sehr wahrscheinlich gelten der Anstieg des Meeresspiegels, das Abschmelzen der Gletscher und eine geringere Schneebedeckung.  

Während der vergangenen 740.000 Jahre bewegte sich der CO2-Gehalt der Erde immer zwischen 180 und 280 ppm, aber infolge der Verbrennung fossiler Brennstoffe (Industrielle Revolution) in den letzten 200 Jahren stieg die Konzentration auf über 400 ppm. Jedoch schon bei der Abschätzung der Folgen des Klimawandels und der Klimasensivität gehen die Meinungen stark auseinander, auch was die richtigen Gegenmaßnahmen angeht (Vorsorgeprinzip). Phänomene gab es schon immer: In Nordeuropa kam es während der Eiszeiten mehrfach zu teils abrupten Klimawechseln mit Temperaturanstiegen von über 10 Grad in nur einem Jahrzehnt (siehe Grönland). Hervorgerufen durch eine Veränderung der Meeresströmungen.

Zunächst steht fest, der Treibhauseffekt (inklusive der Treibhausgase wie CO2) garantiert Leben auf der Erde. Diese Gase wirken wie eine Schutzschicht. Aber mit der Verbrennung fossiler Energieträger, intensiver Landwirtschaft und dramatisch steigender Weltbevölkerung explodieren die Emmissionen und damit der CO2-Anteil (wobei  CO2 ein notwendiges Gas zur Photosynthese ist). Daher spricht man von anthropogenem Klimawandel (AKW). Mir persönlich erscheint die  Bevölkerungsexplosion auf der Erde die Ursache aller Probleme zu sein, verbunden mit einer Industrialisierung und Globalisierung, die scheinbar keine Grenzen kennt. Die Temperaturerhöhung ist dafür das Symptom.

Nach ausgiebiger Recherche von vielen Argumenten und Forderungen von Experten für oder gegen Klimawandel steht für mich fest, dass jede Seite plausible Aussagen macht und auch begründet. Ich warne aber davor, solchen Ideologien zu folgen, die aus den Klimaproblemen Panik (Weltuntergang) machen und den Klimawandel instrumentalisieren, um absurde politische Entscheidungen durchzusetzen und Wahlerfolge zu erzielen.

So offenbart sich in der Diskussion ein weiteres Negativum. Ist es noch Klimawandel oder eher Glaubenskrieg? Patrick Moore, der Gründer von greenpeace, wirft seiner Umweltorganisation Panikmache vor. Fest steht, wenn die amerikanische Justizministerin Lynch mittels FBI gegen die „Klimaleugner“ vorgeht, sieht das eher nach Inquisition aus.  Was also wird geleugnet? Das Klima bestimmt nicht ! Es gibt nämlich nicht „ein“ Klima. Auch der reale Klimawandel, er wird nicht geleugnet. Ich halte es daher eher wie Prof. Dr. Matschullat von der TU Freiberg (Prof. für Geoökologie), der vor der Komplexität des Themas und einseitiger Diskussion/Information warnt. (4)

Wissenschaftler sollten sich als positive Eigenschaft immer Skepsis bewahren – im Rahmen dieser  Meinungsdiktatur allerdings verschwinden wissenschaftliche Erkenntnisse und vor allem die Seriosität. Wir haben es mit einer Vielzahl an Meinungen oder Interpretationen zu tun. Niemand ist im Besitz der Wahrheit. Sowohl Fachliteratur wie auch behördliche Informationen sind wertvoll, doch auch Fehleinschätzungen sind durchaus möglich. So sollte auch eine Änderung der wissenschaftlichen Auffassung möglich sein.

So geschehen mit Lennart Bengtsson, dem ehemaligen Leiter des Hamburger Max-Planck-Instituts. Der wechselte in den Akademischen Beirat von GWPF mit dem Ziel, Überreaktionen gegen die globale Erwärmung durch Informationskampagnen zu verhindern. (5) Darauf antworteten seine Kollegen mit Mobbing und Intoleranz. Diese Intoleranz stehe im „ … Widerspruch zu den Grundprinzipien der wissenschaftlichen Debatte“, so nannten es Insider. Damit sind wir wieder in der Meinungsdiktatur.

Die Klimadebatte braucht eine realistische Diskussion über die richtigen Instrumente. Und nicht diese unrealistische Forderung „Wir müssen / Die Politik muss“ oder „Wir müssen nicht“. Meine Forderung: Beendet den unsäglichen Kulturkampf in der Klimadebatte. Wir haben nur eine Erde, daher geht es nicht um Aktionismus als Folge von Panik, sondern um Lösungen auf der Basis von Vernunft.

Fazit: Gibt es einen Ausweg aus dem Dilemma? Nein, nicht wirklich. Jeder muss seine eigene Entscheidung treffen und sich fragen, welche Antwort suche ich? Eine einfache Antwort gibt es nicht. Was aber auf jeden Fall richtig ist, ist die Tatsache, dass ein jeder Verantwortung trägt. Jeder sollte daher bei sich beginnen und nicht auf andere warten. Zweifelsohne gilt,  gesundes Essen, mehr Bewegung und sorgsamer Umgang mit Energie/Ressourcen können nicht schaden.

Fortsetzung folgt …

 

(1)   https://www.zeit.de/2004/51/N-Waldsterben/seite-5

(2)   https://www.globalisierung-fakten.de/

(3)   http://www.oekosystem-erde.de/

(4)   https://tu-freiberg.de/sites/default/files/media/interdisziplinaeres-kologisches-zentrum-6414/klimawandel_klimaschwindel_web.pdf    

(5)https://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/klimaforscher-lennart-bengtsson-tritt-aus-skeptikerverein-gwpf-aus-a-969382.html  

Share

Die Energiewende und der Denkfehler


Share
Gastbeitrag von Kurt Rohmert
Foto: pixabay freie Bildnutzung

„Ich bezeichne die Energiewende als einen Irrweg, da wir noch nicht über die technischen Möglichkeiten verfügen, den grünen Strom zu glätten. Das ist der Knackpunkt der Energiewende.“  Dieser Satz stammt vom  deutschen Ökonom Prof. Hans-Werner Sinn und ist aus einem Interview aus dem Jahr 2015.

Bekanntlich ist es nicht nur eine deutsche Idee, weltweit wird an der Energiewende gearbeitet. Doch Deutschland nimmt eine ganz besondere Position ein. So steht für die (grüne) Heinrich-Böll-Stiftung fest: „Es ist keine Frage mehr der Technologien, ob wir in Europa auf 100 Prozent Erneuerbare Energien umsteigen. Bis 2050 können wir dieses Ziel erreichen.“ (Geplant sind dagegen 80% von der Bundesregierung!). Doch der politischen Phantasterei fehlt es neben dem Wissen um technische bzw. physikalische Gesetzmäßigkeiten vor allem an einem Plan. Wie kann man gleichzeitig aus der Kernenergie und der Kohle aussteigen, ohne den Menschen die Probleme, resultierend aus den Irrtümern, zu erklären. Wie sagte doch der Bundespräsident so treffend: „Es hilft Deutschland nicht, wenn wir Probleme ausblenden!“

Die Erklärung zur Aussage von Prof. Sinn ist eigentlich ganz einfach. „Grüner Strom wird, dem Wetter und der Tageszeit folgend, sprunghaft – volatil – erzeugt. Deshalb braucht es weitere Anlagen, die die Lücken füllen, entweder Kraftwerke, die kurzfristig einspringen können oder Speicher riesigen Ausmaßes. Da es die benötigten Speicher auf absehbare Zeit nicht geben wird, braucht es eine geeignete Mischung von grünem Strom und konventioneller Stromerzeugung“, erklärt Sinn und warnt: „Die Entwicklung ist im Prinzip nicht falsch. Aber die Rechnung muss aufgehen.“  Eins verwundert doch sehr. Obwohl die Nachteile der Energiewende immer offener zu Tage treten, verharrt die deutsche Bevölkerung praktisch unverändert bei ihrer Zustimmung. Es scheint eine besondere Eigenschaft der Deutschen zu sein, nicht der Einsicht, sondern nur der Erfahrung zu folgen. Oder anders ausgedrückt: „Umdenken findet erst nach dem Knall (Blackout!) statt.“

Und es gibt ein zweites Kuriosum. Wenn man der Welt, insbesondere der Umwelt, helfen will, dann kann das jedes Individuum von selbst tun. Ich vermisse z.B. Aussagen von den sog. Aktivisten, wo sie selbst denn sparen oder worauf sie verzichten wollen. Unter dem Argument, die Natur retten zu wollen, darf dann schon mal  dieselbe mit Windrädern verschandelt werden. Andererseits vergisst die grüne Ideologie, dass die übrige Welt gar nicht daran denkt, uns zu folgen oder die eigene Wirtschaft zu gefährden. So übersieht man regelmäßig, dass wir nur für 2,4% der (1) CO2 Emissionen verantwortlich sind. Der Klimawandel geht nicht ohne die großen CO2 Erzeuger wie China (25,6%), USA (16,9%), Indien und Russland, auch wenn der Pro-Kopf-Fußabdruck dort bedeutend niedriger ist.

Die sicher verständnisvolle Wende zu erneuerbaren Energien, was einer grundlegenden Umstellung entspricht, bedeutet für uns alle die Versorgung mit Energie nicht mehr nach dem Bedarf, sondern weitgehend nach Wetterlage, mit wahrscheinlich gravierenden Konsequenzen für die Stabilität unseres Stromnetzes. In diesem Zusammenhang ist das größte Problem noch gar nicht gelöst. „Strom ist ein besonderes Gut. Er ist nicht speicherbar. Aus technischen Gründen wird unser Stromnetz als Wechselstromnetz mit einer Sollfrequenz von 50 Herz betrieben.“ So erklärt es Prof. Lüdecke (Physiker, früher Hochschule für Technik im Saarland). Diese Sollfrequenz muss eingehalten werden, jede Abweichung muss sofort ausgeregelt werden. Das erledigen zur Zeit die Kraftwerke, die demnächst abgeschaltet werden sollen. 100 Prozent Verfügbarkeit und autonome Bedarfsregelung funktionieren nicht mit fluktuierendem Wind- und Solarstrom.

Mit Speichern ließe sich zwar ein Beitrag von 100% an erneuerbarer Energie erreichen und das Risiko eines Blackouts minimieren, sie fehlen aber. Damit ist es fraglich, wie das Glätten der fluktuierenden Erzeugung von Strom wie auch das Überbrücken bei Erzeugungsausfällen wie bei einer Flaute geregelt werden soll.

Auch die anderen Begründungen der Energiewende sind eher fragwürdig oder zumindest nicht vollständig durchdacht. So wird das Zertifikatssystem der EU die CO2 Freisetzung nicht verringern, sondern lediglich verlagern. Außerdem  werden die Solar- und Windkraftwerke hauptsächlich nach Erzeugungsgesichtspunkten errichtet, das bedeutet: die Netze müssen großflächig ausgebaut werden. Dies und andere immense Kosten machen den Strom in Zukunft immer teurer zugunsten einiger Profiteure. Heute ist der Strom bei uns doppelt so teuer wie in Frankreich. Vermutlich wird es bei Ausfällen so kommen, dass wir über das europäische Verbundnetz Atom- oder Kohlestrom aus dem Ausland beziehen oder auf den schlimmsten Fall, den Blackout, gar nicht vorbereitet sind. Siehe Berlin im Februar 2019. (2)

Prof. Sinn nennt das einen gefährlichen Irrtum, auch wenn er bei den Zielen übereinstimmt. „Die Frage ist allein, ob sie (die grüne Bewegung) für die Erreichung dieser Ziele auch die richtigen Instrumente verwendet.“ konstatiert er in seinen 13 Thesen. (3)  Als Verfechter einer sicheren Versorgung kann ich nur davor warnen, dem halbgebildeten Wirtschaftsminister Altmeier zu glauben, der sagt „ Die Energiewende müsse bezahlbar sein. Zudem müsse die Versorgungsicherheit gewährleistet sein und die Energiewende müsse nachhaltig sein.“  Oder einer Kanzlerin, die gesagt haben soll „Wenn wir so weitermachen wie bisher, werden wir scheitern. Wir müssen es wollen.

Fazit: Wenn wir unser Klima retten wollen, muss der blinde Aktionismus gestoppt werden, denn unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten ist Windkraft unsinnig (H.-W. Sinn).

Zur Erklärung:  Die Braunkohlekraftwerke haben eine installierte Leistung von 10%, erzeugen aber 24 % des Stroms. Bei Windkraft sieht es anders aus.: 29% erzeugen lediglich 20% des Stroms.

(1)https://www.co2online.de/klima-schuetzen/klimabilanz/die-groessten-co2-emittenten/

(2)https://www.bz-berlin.de/berlin/was-ein-tagelanger-blackout-fuer-berlin-bedeuten-wuerde

(3)http://www.cesifo-group.de/de/ifoHome/policy/Sinns-Corner/Sinn-Juni2014-14-Thesen-zur-Energiewende.html

Siehe auch  Prof. Lüdecke im Bundestag:  https://juergenfritz.com/2019/03/01/klima-kann-man-nicht-schuetzen/

Share

Deutschland und seine Klimakanzlerin


Share
Die Klima-, Kohle- und Autokanzlerin Angela Merkel

Angela Merkel, Klima-, Bildungs- und Umweltkanzlerin in einer Person, erhält nun die Quittung für ihre Auto-Lobby-Hörigkeit. Statt sich von Anfang der Diesel-Skandalwelle auf die Seite ihrer betrogenen Bürger zu schlagen, nimmt sie bis heute die Autoindustrie in Schutz. “Es kann nicht unser Interesse sein, dass wir durch politische Maßnahmen die Automobilindustrie so schwächen, dass sie keine Kraft mehr hat, in die eigentlichen Zukunftsinvestitionen etwas hineinzustecken.“ Eine solche unehrliche Politik gegen Bürger und Natur gehört bestraft – und das passiert nun. Wegen zu schmutziger Luft in vielen deutschen Städten verklagt die EU-Kommission Deutschland vor dem Europäischen Gerichtshof. Aber was soll’s? Die Zeche zahlt sowieso wie immer der deutsche Steuerzahler. Was also geht es die GroKo und vor allem die Dame an, die längst nicht mehr meine Kanzlerin ist? Da Verkehrsexperten kurzfristig nur zwei Lösungsmöglichkeiten sehen, nämlich die Nachrüstung von Dieselfahrzeugen oder Fahrverbote, wird uns Merkel, die Tatenlose, wohl Fahrverbote bescheren.
Kaum hatte Merkel bei der Haushaltsdebatte im Bundestag der Autoindustrie ihre Loyalität versichert, da glänzten schon die nächsten Modelle mit einem erneuten Abgasbetrug. 60.000 Porsche-Modelle, die Luxusgeländewagen Cayenne und Macan, werden gleich wegen mehrerer Software-Manipulationen vom Kraftfahrt-Bundesamt zurückgerufen.

Sicher ist, dass jeder Einzelne etwas für die Umwelt, für das Klima und die Natur tun kann, wenn er nur will. Meine Zuversicht hält sich jedoch in Grenzen. Eine kommunale Veranstaltung mit dem Thema “Was ist mir eine saubere Stadt wert?” brachte etwa 20 Teilnehmer auf die Beine. Sowohl Politiker als auch Bürger übertrafen sich mit Klagen und Kosten, zeigten sich aber wie gewohnt recht ideenlos.

Was aber haben wir versäumt in dieser unserer einzigen Welt? Jeder von uns trägt ein Quäntchen Verantwortung für ihren Fortbestand. Die Politiker allerdings als Inhaber von Macht und Gesetz stehen an vorderster Front. Das ist für unser Land seit mehr als 12 Jahren die Klima-, Bildungs- und Umweltkanzlerin mit “Erfolgen” wie
– Anstieg der Trinkwasserpreise in zehn Jahren um 25%
– neben Malta die höchste Nitratbelastung des Grundwassers. (Auch hierzu liegt ein Klageverfahren der EU vor. Die Klageschrift zeichnet akribisch nach, wie Deutschland seit Jahren das Problem ignoriert. Es werde zugelassen, dass wesentlich mehr Dünger auf die Äcker gebracht werde, als die Pflanzen überhaupt aufnehmen könnten.)
– die Zustimmung zum Pflanzengift Glyphosat
– die Inbetriebnahme neuer Kohlekraftwerksblöcke in Boxberg, Neurath, Moorburg oder Hamm, die für eine Steigerung und nicht für eine Verminderung von CO2 in unserer Atemluft sorgen.
– das weitere Festhalten am Kohlestrom, der in Deutschland längst nicht mehr gebraucht wird.
– das Durchsetzen von Sonderregeln für die deutschen Autohersteller bei den Beratungen über Ober­grenzen für den CO2-­Ausstoß und das Verhindern einer Abstimmung über die EU-Richtlinie im Minister­rat.
– usw.

Wieviel Klima also in der Klima-Kanzlerin vorhanden ist, darf wohl nach dieser Aufzählung klar sein. Alles nur Makulatur, ob Bildung, ob Klima, ob Landwirtschaft, ob Gesundheit. Nichts von positiver Bedeutung, wohin man auch schaut, eher im Gegenteil.

Wer der Prognose des des Klimaforschers Hans Joachim Schellnhuber lauscht (Gründungsdirektor des Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen), hat weiß Gott nichts mehr zu lachen. In einem sehr guten, aber auch beängstigenden Bild erklärt er, warum der Klimawandel zum zentralen Thema der Weltpolitik werden muss: “Man könnte die Situation mit einem leckgeschlagenen Schiff auf hoher See vergleichen. Natürlich gibt es auch neben dieser Havarie Probleme: Das Essen in der dritten Klasse ist miserabel, die Matrosen werden ausgebeutet, die Musikkapelle spielt deutsche Schlager, aber wenn das Schiff untergeht, ist all das irrelevant. Wenn wir den Klimawandel nicht in den Griff bekommen, wenn wir das Schiff nicht über Wasser halten können, brauchen wir über Einkommensverteilung, Rassismus und guten Geschmack nicht mehr nachzudenken.”
Schellnhuber beklagt die politische und mediale Gleichgültigkeit im Umgang mit der anstehenden Klimakatastrophe, die in diesem Tempo, auf einem überbevölkerten, übernutzten Planeten, einem kollektiven Suizidversuch gleichkommt. „Ja, wir müssen alle Kohlekraftwerke schließen, ja, Deutschland muss auf 100 Prozent erneuerbare Energien gehen, aber Sie und ich können von heute auf morgen beschließen, kein Fleisch mehr zu essen und keine Langstreckenflüge mehr zu machen.”

Enden möchte ich diese Misserfolgsstory unserer Klimaexpertin Merkel mit einem Witz auf Professor Leschs Buchrücken seines neuen Buches „Die Menschheit schafft sich ab – Die Erde im Griff des Anthropozän“ : Treffen sich zwei Planeten. Der eine: „Du siehst aber schlecht aus.“ Der andere: „Ich habe Menschen!“ Der eine: „Oh, das geht vorbei.

Share

Weltklimakonferenz in Bonn


Share
Super Klimakanzlerin gerade in Jamaika

Zur Weltklimakonferenz der Vereinten Nationen treffen sich gerade in Bonn 25.000 Menschen, um mal wieder nichts zu bewirken, stattdessen aber die Umwelt in Bonn und um Bonn herum entsprechend zu belasten.
Es geht um das Pariser Klimaabkommen aus 2015, in dem das Ziel formuliert wurde, die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad Celsius im Vergleich zu den Werten vor der Industrialisierung zu begrenzen. 170 von 197 Staaten der UN-Klimakonferenz haben inzwischen das Abkommen ratifiziert.

In diesem Jahr leitet das vom Untergang bedrohte Fidschi die UN-Konferenz im Kohleland Nordrhein-Westfalen. Gastgeberstaat ist also Deutschland, das seine Emissionen nicht in den Griff bekommt. Bis 2020 sollten die Treibhausgas-Emissionen in Deutschland um 40 Prozent reduziert werden. Jedoch hat das Schulmeisterland mit seiner sogenannten Klimakanzlerin schon in den ersten drei Monaten 2017 so viel Kohlendioxid ausgestoßen wie es im gesamten Jahr freisetzen dürfte, um das Pariser Klimaabkommen einzuhalten. Und bis 2050 dürfe Deutschland jedes Jahr durchschnittlich 220 Millionen Tonnen CO2 ausstoßen, ohne das Weltklima zu gefährden.

Jeder in Deutschland weiß, dass vor der Diskussion über Elektroautos die Frage beantwortet werden muss, woher der Strom für diese Fahrzeuge kommen soll und jeder ist sich klar darüber, dass die Verschandelung des Landes durch den Braunkohleabbau in Ost- und Westdeutschland ein Ende haben muss. Und was rechtfertigt noch das Weiterbetreiben der emmissionsintensiven Kohlekraftwerke gegenüber den zwar teureren, aber umweltfreundlicheren Gaskraftwerken? Deutschland muss sich in eine globale Kohleausstiegs-Allianz einreihen. Jede neu sich bildende Bundesregierung muss den Kohleausstieg im Koalitionsvertrag verankern und erste Kohlekraftwerke schon bis 2020 abschalten.

Wer die Internetseite www.cop23.de aufschlägt, die das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit herausgibt, gerät ins Staunen über den Ideenreichtum und die Großartigkeit der Darstellung mit wunderbaren Fotos und plakativen Äußerungen über Wege, Ziele, Projekte und die damit verbundene Zurschaustellung des Wissens über die Welt kurz vor ihrem klimatischen Zusammenbruch. Was ein Land erreicht, wenn Notwendigkeiten, Veränderungen und Verzicht nur auf Einsicht  pochen, ansonsten aber forderungslos auf Freiwilligkeit setzen, ist am Beispiel Deutschlands erkennbar. Ob Kohleausstieg, Glyphosatverbot, Fahrverbot oder Dieselskandal – die Liste der Untätigkeiten, Fehlentscheidungen und Lobbybeeinflussung führt klimabetrachtend nur noch ins Schämen.

Klimapolitik am Beispiel Vattenfall

Energiekonzerne in Deutschland haben inzwischen begonnen, sich einen schlanken Fuß zu machen. Der Energiekonzern Vattenfall beispielsweise, dem in Brandenburg und Sachsen vier Kohlegruben und drei Kohlekraftwerke gehörten, entledigte sich 2016 seiner Braunkohlebesitztümer, einer Belastung für die Zukunft. Er verkaufte seine Braunkohleförderung an die tschechische Energeticky a Prumyslovy Holding (EPH), die von Vattenfall 1,7 Milliarden Euro Bares für die Renaturierung erhielten. “Wir beschleunigen so unseren Umbau zu einer nachhaltigeren Erzeugung von Energie“, erklärte Vattenfall-Chef Magnus Hall. Wind, Sonne, Atom bleiben auch weiterhin bei der schwedischen Firma.
Auch das Kohlekraftwerk Mehrum im Landkreis Peine steht vor dem Verkauf an EPH in Tschechien. Gekauft wurde dafür die Ventotec-Gruppe in Leer, was das hannoversche Unternehmen zu einem der führenden Akteure bei der Stromerzeugung mit Windrädern macht.

Energiekonzerne wissen, dass die Braunkohleverstromung keine Zukunft mehr hat. Es geht für sie längst darum, den Kohleausstieg zu organisieren und sich der langjährigen Folgeschäden und deren Kosten zu entledigen. Dabei steht der Verkauf, den der Energiekonzern Vattenfall an die tschechische EPH tätigte, in einem schlechten Licht. Im Schwarzbuch EPH, das die Umweltorganisation Greenpeace herausgab, sind die Intransparenzen und Verschleierungstendenzen, in die auch die sächsische und brandenburgische Landesregierungen verwoben waren, nachzulesen. Im Zentrum stehen dabei die beiden tschechischen Finanzoligarchen und Selfmade-Milliardäre Daniel Kretinsky und Petr Kellner. Ein groß angelegtes Konsortium von Schein- und Briefkastenfirmen umgibt auch Kretinsky. Kaum dass Vattenfall seine Anteile an EPH verkauft hatte, wurde aus der als Immobilienunternehmen registrierten Firma ein Stromkonzern. Ob mit dem nach Kauf errichteten undurchsichtigen neuen Firmengeflecht eine Übernahme von möglichen Sanierungskosten für die Folge der Bergbautätigkeit gewährleistet ist, darf bezweifelt werden. So die Aussage im Schwarzbuch von Greenpeace. Der Milliardär Petr Kellner hat sich nach dem Kauf aus der Gesellschafterriege verabschiedet, weil er und seine Frau bei den Panama Papers gelistet waren.

Umweltschützer befürchten, dass die  Steuerzahler auf den Kosten für die Rekultivierung der Kohletagebaugebiete  sitzenbleiben. Da die Auskohlung dieser Gebiete mit erheblichen Eingriffen in Landschaft, Wasserhaushalt und Siedlungsstrukturen verbunden ist, fallen für ihre Renaturierung  über einen Zeitraum von mehreren Jahrzehnten Kosten in Milliardenhöhe an.

“Der Energiekonzern Vattenfall, der Milliarden an der Verstromung der Lausitzer Braunkohle verdiente, hat sich aus dem Staub gemacht. Seine Flucht aus der Verantwortung ist eine Flucht vor den Mondlandschaften der Braunkohle und ihrer dreckigen Hinterlassenschaft. Das Prinzip, als Verursacher für die Folgen seines Tuns zu haften, hat der Konzern an tschechische Finanzoligarchen weitergereicht. Ob jene die Kosten in Milliardenhöhe für den Abriss der Kraftwerke, für die Sanierung der Böden, für die Wiedernutzbarmachung der Bergbaufolgelandschaften und für die Sanierung des Wasserhaushaltes tragen werden, hängt von der Politik ab.”

Greenpeace kritisiert in seinem “Schwarzbuch EPH” das schwere Versäumnis der für die Verkaufsverhandlungen mitverantwortlichen Ministerpräsidenten Stanislaw Tillich (CDU) in Sachsen und Dietmar Woidke (SPD) in Brandenburg, bei der Übernahme von Vattenfalls Braunkohlesparte auf Sicherheitsleistungen vom tschechischen Investoren verzichtet zu haben und befürchtet Milliardenlöcher für die öffentlichen Haushalte.

Sachsen und Brandenburg dürfen sich mit Vattenfall und Nachfolgern herumschlagen, in NRW werden es RWE und eon sein, die  mit Einigung der Regierung eine  schrittweise Stilllegung ihrer letzten Blöcke bis Oktober 2019 mit hoher staatlicher Alimentierung planen. Der Stromkunde wird jedenfalls auch weiterhin aufgrund einer verfehlten und verschlafenen Klimapolitik deutschlandweit zur Kasse gebeten. Mit der Auslagerung der Bereiche Netze, Vertrieb und Ökostrom in die RWE-Tochtergesellschaft Innogy  darf sich RWE nun auch in Schulen als Vertreter der Zukunft feiern. Die RWE-Lobbyzentrale in Berlin mit ihren Einflussmöglichkeiten wird auch weiterhin für eine  RWE-verträgliche Verantwortungsverteilung sorgen. Auf Antrag des WDR, Einsicht in die Folgekosten des Bergbaus und die Kosten der Renaturierung der betroffenen Gebiete zu erhalten, weigerte sich RWE mit der Begründung, das sei und bliebe ein Geschäftsgeheimnis. Gegen die Forderung nach Offenlegung durch die Bezirksregierung Arnsberg hat RWE Klage eingereicht.

 

Share