DENK-BLOG

Ich denke, also bin ich (René Descartes)

Die Welt um uns herum ist hochkompliziert geworden, für die aber auch wir Verantwortung tragen. Der Bedarf an differenzierten Antworten auf vorhandene Probleme ist riesig und politisch verordnete „Alternativlosigkeit“ demaskiert die Arroganz der Macht. Die Folge dieser Arroganz ist die Spaltung unserer Gesellschaft, ist der Verlust von Demokratie und Freiheit und die Zerstörung des Sozialstaats durch die weiter wachsende Verteilungsungerechtigkeit. Mein Weckruf hinein in das politische und gesellschaftliche „Schlaflabor Deutschland“ greift nach meinem Bürgerrecht, diese Welt mit zu gestalten und zu verändern. Nutzen wir die Restbestände von Freiheit, in Gedanken, Wort und Schrift eine „Gemeinschaft der Denker und umDenker“ zu bilden, die sich auf den Weg gemacht hat.

Mein umDenk-Blog berichtet, kritisiert, fordert, provoziert, analysiert, zürnt, tröstet und ruft dir zu:
„Mensch, wach auf!“

Das Volk muss gesteuert werden, ohne dass es das weiß. (Bernays)


Hören und sehen reichen allein nicht aus. Mehr denn je sind Skepsis und Zweifel vonnöten, um Manipulationsabsichten von Politik und Medien zu durchschauen.

Tagesschau ohne deutsche Nachrichten

Seit Tagen spielen die deutschen Medien die Trumpophonie in allen Molltonarten. Was er sagt, wie er es sagt, wann er was sagt – am 15. August hat es dann die Tagesschau zur besten Sendezeit endlich geschafft, Deutschland so gut wie ganz aus den Nachrichten herauszuhalten. Nachdem die Bombendrohung und die Evakuierung des Gladbecker Kaufparks mit keinem Wort in den großen Medien erwähnt worden war, stand fest, dass die Handelskette M&M (Merkel & Medien) ihre Zensurstrategie bis zur Bundestagswahl festgelegt hatte. Trump eröffnete mal wieder den Nachrichtenblock, dann eine kurze Gifteier-Erwähnung und ein Insolvenzhinweis auf Air Berlin, ein paar Sätze über die unzureichende Frauenquote in Chefetagen und zum Schluss gab es ein Lob über die neuartige Rettung durch Drohnen nicht etwa in Deutschland, sondern in Frankreich.
Zur gleichen Zeit wie das von Justizminister Heiko  Maas  eingeführte Netzwerkdurchsetzungsgesetz wurde scheinbar auch von allen unbemerkt ein Nachrichtenverschönerungsgesetz in Kraft gesetzt, das aus drei Regeln besteht.
1. Zu berichten sind schwerpunktmäßig Horror- und Schreckensnachrichten aus allen Ländern der Welt,
2. Nachrichten aus Deutschland müssen sich durch Belanglosigkeit und Harmlosigkeit auszeichnen.
3. In jeder Nachrichtensendung muss ein Positivum aus Deutschland eher unauffällig ins Ohr der Öffentlichkeit gelangen, um den Betrachter und Hörer der Nachrichten die Unterscheidung „Böse Welt – gutes Deutschland“ unbewusst ins Hirn zu transportieren.

Techniken der Massenmanipulation

Bei der Frage, wie es dazu kommen kann, dass Manipulation ein alltägliches von der Masse nicht bemerktes Geschäft ist und die gewünschten Meinungen hervorbringt, stoßen wir auf den König der Propaganda Edward L. Bernays. Er war der Neffe des großen Sigmund Freud und gilt bis heute als Vater der PR (Public Relation = Öffentlichkeitsarbeit). In seinem Werk „Propaganda“ erklärt er unumwunden seine erfolgreichen Techniken der Massenbeeinflussung, die von Firmen, von Politikern, von amerikanischen Präsidenten übernommen wurde. Heute begegnen sie uns in allen Medien, die entsprechend gewünschte Wahrheiten verbreiten und diese ins Hirn der Menschen, ja eines ganzen Volkes „implantieren“. Schwer zu glauben, aber wahr. Wie sonst sind denn folgende Massenmeinungen entstanden?
– Grippeimpfungen verhindern eine Grippe
– Antibiotika sind lebenswichtig
– Medikamente heilen
– Trump ist ein Idiot
– Amerika ist unser Freund
– Griechenland muss in der EU bleiben
– Der Brexit ist ein Fehler und schadet Großbrittanien
– Merkel ist die Klimakanzlerin
– Dieselabgase töten Menschen
– Wir schaffen das

Bernays benutzte seine Erkenntnisse nicht dazu, um verborgene Motive im menschlichen Unterbewusstsein aufzudecken, sondern um Absichten zu verkleiden und Illusionen zu schaffen, die rein zu Profitzwecken die Menschen betrogen und Tatsachen verfälschten.
Zeit seines Lebens nahm Bernays Hunderte verschiedener Aufträge an, um die öffentliche Wahrnehmung einer Idee oder eines Produkts zu erschaffen oder zu (ver-) formen.
Bald begriffen die Propaganda-Pioniere, dass nicht nur Produkte, sondern auch Meinungen manipulierbar sind und begannen, die Medien dafür zu nutzen. Sie fanden heraus, dass Emotionen das Volk eher manipulieren als Tatsachen und eine wie auch immer formulierte gleiche Aussage tausendfach wiederholt die gewünschte Massenmeinung erzeugt. Eine Regel, die zur Manipulation der Masse beiträgt, habe ich schon bei Noam Chomsky beschrieben. Sie findet immer und immer wieder Anwendung und lautet: Versetze die Masse in Angst oder präsentiere ihr ein Problem und serviere ihr dazu gleich die passende Lösung. Das macht Eindruck und beruhigt sogleich die aufgewühlte (Schaf-)Herde. Dann frisst sie dir aus der Hand. Beispiele dafür gibt es genug. Die Terroranschläge und der gesamte Auto- und Dieselskandal sind Beispiele dafür. Die Lösung für den Terror liegt in der Bekräftigung aller Staatsträger, dass wir uns unsere Freiheit nicht nehmen lassen und wir alle solidarisch beieinander stehen. Der Autoskandal hat etliche Lösungsansätze zur Beruhigung des Volkes geliefert: Nachrüstung, Preisnachlässe, Sammelklage und Aktivitäten wie den Diesel-Gipfel, der genauso sinnlos war wie der G20-Gipfel. Wenn man erst die Regeln der Manipulation und der Mainstreamschaffung durchschaut hat, ist man der Freiheit seines Geistes ein kleines Stückchen nähergerückt.

General Motors und seine Blei-Benzin-Lüge

Einem sehr sehr lesenswerten Artikel entnehme ich die folgende unglaubliche Tatsachengeschichte zum gerade aktuellen Auto-Abgas-Skandal:

Im Buch „Trust Us We`re Experts“ („Vertrauen Sie uns, wir sind Experten“) haben die Autoren John Stauber & Sheldon Rampton einige verblüffende Informationen zusammengetragen, welche die Wissenschaft der Erzeugung einer „öffentlichen Meinung“ in Amerika beschreiben (eins zu eins auf Deutschland übertragbar).

Stauber erzählt darin die verblüffende Geschichte, wie verbleites Benzin zur Einführung kam. 1922 entdeckte General Motors (GM), dass die Beigabe von Blei zum Benzin mehr PS erbrachte. Als es Bedenken wegen der Sicherheit gab, bezahlte GM das Bergbauamt dafür, einige gefälschte „Versuche“ durchzuführen und unechte Forschungsergebnisse zu veröffentlichen, die „bewiesen“, dass das Einatmen von Blei harmlos sei. Stellen wir in diesem Zusammenhang Herrn Charles Kettering vor.
Charles Kettering war nicht nur Gründer des weltberühmten Sloan-Kettering Gedächtnisinstitut für medizinische Forschung, sondern zufällig auch Vorstand bei General Motors. Durch einige seltsame Zufälle bringt das Sloan-Kettering Institut bald darauf Berichte heraus, die aussagen, dass Blei von Natur aus im Körper vorkommt, und dass der Körper die Möglichkeit habe, geringe Mengen davon wieder auszuscheiden. 

Durch die Verbindung zur Stiftung für industrielle Hygiene (Industrial Hygiene Foundation) und zum PR Riesen Hill & Knowlton boykottierte Sloane-Kettering jahrelang alle Anti-Blei-Studien mit Erfolg (Stauber, S. 92).
 Ohne organisierten wissenschaftlichen Widerstand wurde in den nächsten 60 Jahren mehr und mehr Benzin verbleit, bis in den 70ern schon 90% des Benzins verbleit waren.
Nach langen Jahren unermüdlicher, unabhängiger Aufklärungsarbeit wurde die Schädlichkeit von Blei jedoch zu offensichtlich, um weiter vertuscht werden zu können, und verbleites Benzin wurde in den späten Achtzigerjahren langsam abgeschafft.

 Aber in den insgesamt 60 Jahren wurden schätzungsweise 30 Millionen Tonnen Blei staubförmig auf Amerikas Strassen und Autobahnen freigesetzt. 30 Millionen Tonnen. Das, Freunde, ist die Auswirkung von Lügen-PR.

 

Die Abschaffung der Freiheit per Gesetz


Vera Lengsfeld, wie immer am Puls der Akteure in Berlin, kommentiert für uns Bürger fernab des Geschehens die gestrige Anhörung des Rechtsausschusses zum Maasschen Zensurvorhaben, genannt Netzwerkdurchsetzungsgesetz.

Gastbeitrag von Vera Lengsfeld

Gestern fand im Bundestag eine Anhörung des Rechtsausschusses zum Maasschen Zensurvorhaben, genannt Netzwerkdurchsetzungsgesetz statt. Wegen der Brisanz der Angelegenheit wurde die übliche Expertenzahl, die von den Fraktionen bestimmt wird, auf zehn erweitert.
Von diesen zehn Experten haben sieben das Gesetz für untauglich oder gar verfassungswidrig erklärt. Einige schlugen substanzielle Nachbesserungen vor, andere waren der Meinung, dass der von Maas vorgelegte Entwurf nicht zu heilen sei. Meines Wissens ist noch niemals ein Gesetzentwurf einer Regierung so massiv verrissen worden. Besonders beunruhigend ist, dass aus dem Hause des Justizministers ein Entwurf vorgelegt und vom Kabinett Merkel durchgewunken wurde, der verfassungswidrig ist.
Lediglich der Vertreter der Staatsanwaltschaft und des Richterbundes Bornemann begrüßte das Gesetz vorbehaltlos. Merkwürdig ist, dass ein zweiter Befürworter, Dr. Buermeyer, der Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Verfassungsgerichtshof des Landes Berlin ist, zwar kleine Veränderungen, wie eine unabhängige Prüfung der angeblichen Hasspostings möchte, die Verfassungswidrigkeit aber nicht erkennen wollte. Sein angeblich vorbehaltloser Kollege Bornemann von der Staatsanwaltschaft räumte später überraschend in der Fragerunde ein, dass ein Gesetz schon verfassungskonform sein müsste und schloss sich den gemachten Veränderungsvorschlägen an. Das ist ein verstecktes Eingeständnis, dass der Entwurf, den er in seinem Vortrag Makellosigkeit bescheinigte, den im Grundgesetz garantierten Grundrechten widerspricht.
Das Verhalten der beiden Herren lässt erhebliche Zweifel an der Unabhängigkeit der Justiz aufkommen. Es ist eine gefährliche Untergrabung der Rechtsstaatsprinzipien, wenn ausgerechnet die Gesetzeshüter Expertisen abgeben, die Gefälligkeitsgutachten gleichen.
Noch problematischer ist, dass offenbar trotz aller Bedenken dieses Gesetz noch in dieser Legislaturperiode verabschiedet werden soll.

Das waren die Experten:

Ulf Bornemann, Generalstaatsanwaltschaft Hamburg: Dem Gesetzentwurf sei „uneingeschränkt beizupflichten“, warum sollten „Daten eines mutmaßlichen Hetzers unter Schutz stehen“.

Ulf Buermeyer, Richter am Landgericht Berlin, wünschte sich mehr Strafverfolgung von Hetze, stimmte dem Entwurf zu, wollte aber eine unabhängige Prüfung eingebaut wissen.

Martin Drechsler, Multimedia-Dienstanbieter Berlin, nannte den Entwurf verfassungswidrig. Es müssten Elemente der freiwilligen Selbstregulierung eingebaut werden.

Diethelm Gerhold, Bundesbeauftragter für Datenschutz sieht im Entwurf „schwere Einschränkungen von Grundrechten“. Eine Verfahrenssicherung und ein Richtervorbehalt seien nötig. Es dürfe keine Auskunftspflicht ohne Prüfung geben.

Holger Herzog, jugendschutz.net Mainz, stimmt dem Entwurf zu, weil er es nicht für ausreichend hält, verdächtige Inhalte erst nach richterlicher Prüfung zu entfernen.

Bernd Holznagel, Universität Münster ist überzeugt, dass das Gesetz ungeändert vor dem Verfassungsgericht scheitern wird. Es hätte eine Ausstrahlwirkung auf die Grundrechte und es setze Comliance-Regeln voraus, statt sie zu definieren. Die kurze Fristsetzung sollte nur für wenige Delikte gelten. Außerdem brauche der Staat keinen Sonderschutz im Kommunikationsraum, wie im Entwurf festgelegt.

Christian Mihr, Reporter ohne Grenzen, stellt fest, dass Private nicht über Löschungen entscheiden dürfen. Das Gesetz bedrohe Presse- und Meinungsfreiheit. Es gäbe keine Definition von Fake News. Das Gesetz könne missbraucht werden, es müsse im Ganzen verworfen werden, damit es nicht zum Negativbeispiel werde.

Bernhard Rohleder, Bitkom e.V., unterstützt Drechsler, fordert, anekdotisch motivierte Politik zugunsten analytischer Politik aufzugeben. Das Gesetz richte mehr Schaden als Nutzen an. Es sei handwerklich nicht gelungen, die Fristen müssten raus und Selbstregulierung rein. Es gäbe keine schnelle Lösung. Sorgfalt müsse vor Schnelligkeit gehen.

Wolfgang Schulz, Universität Hamburg, schloß sich Holznagel und dem UN-Sonderbeauftragten Caine an, der das Gesetz als Verletzung von UN-Konventionen sieht, die Deutschland ratifiziert hat. Verbesserungen seien dringend nötig. Es fehlten der Opferschutz und die Frage, wie mit unrechtmäßig gelöschten Inhalten umgegangen werden soll.

Rolf Schwartmann, Technische Hochschule Köln, hält den Entwurf für nicht verfassungsgemäß und fordert eine Entfernung der Fristen.

Noch nie hat ein Justizminister so blamiert dagestanden. Allerdings ist zu befürchten, dass Maas keinerlei Konsequenzen ziehen und versuchen wird, sein Vorhaben koste, was es wolle, durchzupeitschen.