Zwei deutsche Kanzler – zwei Kniefälle

Ein Kniefall als Zeichen für Versöhnung. Ein anderer, der einen Fehler zu korrigieren versucht. Der erste ist inzwischen Geschichte, der zweite wird zu einer Geschichte – vermutlich ohne happy end.

Der Kniefall Merkels vor Erdogan

imageLange ist Willy Brandts spontaner Kniefall am 7. Dezember 1970 in Warschau am Ehrenmal für die Toten des Warschauer Ghettos als Demutsgeste zum Zeichen der Versöhnung zu Recht als Symbol empathischer Politik verstanden worden.

Jetzt gab es einen erneuten Kniefall, den Angela Merkel vor dem türkischen Präsidenten Erdogan tätigte. Dieser Kniefall fand hinter verschlossenen Türen ohne Fotografen und ohne Öffentlichkeit statt. Still und heimlich verlor sie unter den Augen und dem Wissen von Wenigen ihre Haltung, indem sie, ihr Außenminister und ihr Pressesprecher etwas dementierten, was gar nicht dementiert werden muss. Schließlich waren sie, Steinmeier und Gabriel der Abstimmung zur Armenien-Resolution im deutschen Bundestag bewusst ferngeblieben. Das hatte Erdogan allerdings noch nicht gereicht. Es fehlte ihm der  jetzige Kniefall. Drei Monate nach der Abstimmung, die, wie Merkels Pressesprecher Seibert verkündete, keine Rechtsaussage beinhaltet, haben sich jetzt etliche Diplomaten und deutsche Abgeordnete in die Türkei begeben, um einen weiteren Akt der Besänftigungsdiplomatie aufzuführen und eine Relativierung der Völkermord-Formulierung des deutschen Bundestages vorzunehmen. Wer möchte noch glauben, dass dieser Merkelsche Kniefall nicht tatsächlich stattgefunden hat, denn als Geschenk für diesen Mauschelakt schickt Erdogan prompt wieder einen Botschafter nach Deutschland, den er nach der Armenien-Resolution beleidigt und wütend abgezogen hatte.

Wie war das noch? Deutschland gehört zum Islam?

Die deutsch-türkischen Eiertänze werden weiter getanzt werden, weil Merkels und Europas Zukunft von Erdogans Wohlwollen abhängen. Der heutige Kniefall war alles andere als eine spontane Demutsgeste mit Versöhnungscharakter, er war ein wohl überlegter ausgetüftelter Schachzug Merkels zum eigenen Machterhalt. Sie, die deutsche Bundeskanzlerin, hat es geschafft, ihre selbst formulierte Realität auf den Kopf zu stellen. Nicht der Islam gehört, wie sie formulierte, zu Deutschland, sondern Deutschland gehört inzwischen zum Islam und sie als Frau in den Augen Erdogans schon längst. Nicht mehr Merkel bestimmt die Richtlinien der Politik, sondern der türkische Präsident Erdogan. Die Verwirklichung des Islam hat in der Beziehung Merkel-Erdogan längst stattgefunden.

Nicht einmal eine winzige Geste der Versöhnung

Phoenix ließ am 3. 9. 2016 in einer Dokumentation über den Völkermord vor 100 Jahren Türken, Kurden und Armenier zu Wort kommen. Die Vergangenheit war furchtbar, die Gegenwart ist hoffnungslos. Das Zentrum der Hoffnungslosigkeit heißt Erdogan. 1,5 Millionen Armenier wurden 1915 vertrieben und ermordet. Bis heute bleiben die Nachkommen Außenseiter und ohne eine Entschuldigung. Zum 100. Jahrestag im April 2015 reisten Putin und Hollande zur Gedenkfeier nach Eriwan/Armenien. Viele Länder haben inzwischen den Völkermord anerkannt, nur Erdogan hält diese Bezeichnung für eine Provokation gegenüber der Türkei und fordert eine Aufklärung durch ein internationales Gremium von Historikern.
Wie kann Merkel diesem Mann vertrauen, der nicht einmal fähig und willens ist, durch eine Geste der Entschuldigung Vergangenes zu bedauern und das geschehene Unrecht an den Armeniern auf Millionen Schultern seines Volkes zu verteilen, um so am Frieden der Welt wenigstens geringfügig mitzuwirken? Welch eine Größe des Willy Brandt damals – welch eine Armut im Geiste Erdogans heute!

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