Früher war alles besser

Wohin entwickelt sich diese Gesellschaft? Ist die Sehnsucht nach früheren Zeiten berechtigt oder nur ein Statement eines heute unerwünschten Konservatismus? Eine genauere Betrachtung hilft weiter.

… sollte einmal überprüft werden.

Es scheint die heutige Zeit nicht gerade zufriedene Menschen hervorzubringen und die Kritik am Bestehenden und die Angst vor dem Zukünftigen will nicht verstummen. Aus der privaten Zelle Familie und der politischen Zelle Staat haben sich Strukturen entwickelt, die immer mehr Identität und Heimat vermissen lassen. Die Ehe ist zu einer Institution geworden, auf die auch verzichtet werden kann. Nur knapp 350.000 Ehen werden in Deutschland noch jedes Jahr geschlossen, vor 50 Jahren waren es noch doppelt so viele. Nun, würden Feministinnen da kontern, eine Institution zur Versorgung der nicht berufstätigen und nicht emanzipierten Frau – darauf kann ohne Bedauern verzichtet werden. Das würde so manche Ehefrau aus den 60ern und 70ern nicht auf sich sitzen lassen und so manche Emanzipierte das Staunen lehren. Meine Mutter war Gärtnerin, Schneiderin, Köchin, Friseurin und Musikerin in einer Person – und das mit ausgeprägter Zufriedenheit. Das war nur möglich, weil die Ehemänner von damals in der Lage waren, die Familie zu ernähren. Ob Bergmann, Verkäufer, Elektriker, Hilfsarbeiter, Maurer … die Menschen waren arm, arbeiteten hart, wussten aber, dass es langsam bergauf gehen würde. Dafür sorgten Gewekschaften, Betriebsräte, die SPD und die Erkenntnis der Politik, dass Arbeit ihren Wert hat und entsprechend beLOHNt werden muss.
Wenn der heutige Arbeitsmarkt mit seinen Löhnen betrachtet wird, kann nur der Kopf geschüttelt werden. Die wenigsten Väter aus den Bereichen Handwerk und Dienstleistung sind in der Lage, allein die Familie zu ernähren. Von einem „Bergauf“ wie in den 60er Jahren kann schon seit 20 Jahren nicht mehr geredet werden. Selbst eine Mehrkindfamilie, in der Vater ganz und Mutter Teilzeit arbeiten, kann oft von einem hohen Lebensstandard nur träumen.

Geburtshilfe in Deutschland

Über ein solches Thema hat sich früher niemand Gedanken machen müssen. Ob Krankenhaus oder Hausgeburt mit Hebamme – alles war möglich, sicher und finanzierbar. Krankenhäuser gehörten wie Schule, Kindergarten und Sparkasse zur Versorgungsgrundlage der Bürger. Heute hingegen sind die Versorgungswege weit, die Zustände in entsprechenden Institutionen fragwürdig und das Kinderkriegen ein Abenteuer. Geburtsabteilungen wurden geschlossen, Hebammen abgeschafft und Bürger vor vollendete Tatsachen gestellt. Unbemerkt von der deutschen Öffentlichkeit vollzieht sich seit ein paar Jahren ein systematischer Abbauprozess der freien Hebammen in Deutschland. Aufgrund enorm angestiegener Haftpflicht-Beiträge, deren Subven-tionierung die Politik strikt ablehnt, müssen immer mehr freie Hebammen ihren Beruf aufgeben. Es gibt bereits Gegenden in Deutschland, in denen im Umkreis von 100 km lediglich eine einzige Hebamme zu finden ist. Der Glaube, eine Geburt ließe sich doch viel sicherer in einer von Medizin kontrollierten Klinik absolvieren, ist ein Trugschluss. Seit 1991 wurden bis heute mehr als 40 % aller Geburtsabteilungen in Deutschland geschlossen. Gebärende müssen immer weitere Wege auf sich nehmen und kommen dann auch noch in überfüllte Kreißsäle. Natürliche Geburten unerwünscht! Der Kaiserschnitt inzwischen erwünschte Praxis.
Das mit den Zuständen von früher zu vergleichen, wäre eine Verhöhnung der Vergangenheit.

Wohlstand für alle

Nach Artikel 20, Absatz 1 des Grundgesetzes wurde die Bundesrepublik Deutschland ein demokratischer und sozialer Bundesstaat. Der Aufbau des Sozialstaates begann mit der Erfindung der sozialen Marktwirtschaft, die auf den Direktor der Verwaltung für Wirtschaft in der amerikanisch-britischen Besatzungszone, Ludwig Erhard, den späteren ersten Bundeswirtschaftsminister der Bunderepublik Deutschland (1949 bis 1963) zurückgeht. Gegen den Widerstand der Besatzungsmächte, der Gewerkschaften und vieler Politiker ließ er sich nicht von seinem Ziel „Wohlstand für alle“ abbringen.
Heute scheint nur noch eine Partei, die im Bundestag sitzt, etwas von einer Verteilungsgerechtigkeit zu halten – und das ist nicht die SPD. Wohlstand für alle versprechen allerdings alle Parteien.
Der Staat, gegründet als Demokratie und Sozialstaat, hat es 2016 zu einer Sozial-Ausgabenlage von 888 Milliarden Euro gebracht. Damit wurden rund 30 Prozent dessen, was die Deutschen jährlich erwirtschaften, im vergangenen Jahr für Soziales ausgegeben. Im Jahr 2016 befanden sich erstmals mehr als 1 Mio. Menschen in einem Leiharbeitsverhältnis. Diese Zahl hat sich in den letzten 20 Jahren verfünffacht. Wahrscheinlich erfordert ein flexibler Arbeitsmarkt auch flexible Arbeitsverhältnisse – das aber doch bitte mit anständiger, vielleicht sogar deutlich besserer Entlohnung.
Vergleichen wir die Lohnentwicklung heute mit der von früher, so muss festgestellt werden, dass sich seit 25 Jahren nicht viel getan hat und Deutschland seine Bürger heute ohne angemessene Entlohnung arbeiten lässt und sogar ausnutzt.

Mietpreisbremse

Deutschland baut, was das Zeug hält. Die Nachfrage steigt, der Markt diktiert die Preise … und die sind nicht mehr tragbar. Seit 2008 sind die Mieten um 20% gestiegen. Eine Mietpreisbremse wurde von Schwarz/Rot beschlossen und ist seit 2015 Gesetz … natürlich mit den entsprechenden Ausnahmen. In allen Städten allerdings gibt es die illegale Abzocke. Der Verein Haus und Grund wehrt sich gegen Kontrolleure der Mietpreisbremse. Diese „Bremse“ zeigte keine Wirkung, die Mieten steigen und es gibt keine Strafen für die Vermieter, die nur noch abzocken. Es wurde mal wieder ein schlechtes Gesetz gemacht zu Lasten der Bürger.
Wie sinnvoll waren da derzeit der Wohnungsbau und die Vermietung für die Bürger! Sozialwohnungen für die Ärmeren, angemessene Mietwohnungen für Familien und sogar Siedlungshäuser für den kleinen Mann gehörten zur Realität.

Beweis erbracht

So könnte es mit anderen Themen wie Bildung, Energie, Umwelt, Sicherheit, Religion, Gesundheit, Familie weitergehen. Die Welt verändert sich. Entwicklungen in Gesellschaft, Kultur und Wissenschaft sorgen dafür – und doch darf die Tatsache nicht außer Acht gelassen werden, dass es dabei Entwicklungen zum Guten, aber auch zum Schlechten gibt.
Auf den Punkt bringt es der Kabarettist Georg Schramm, der zu den heutigen Zuständen folgendes zu sagen hat: „Ich bewege mich zwischen zwei Sätzen. Der eine lautet ‚Die vollends aufgeklärte Welt erstrahlt im Zeichen triumphalen Unheils.‘ Ich war einmal stolz darauf, in einem Land geboren zu sein, das Vernunft und Aufklärung auf sein Schild gehoben hat und ich habe geglaubt, das wird die Welt zum Besseren wenden. Ich bin betrübt und bin enttäuscht worden. Der andere Satz hängt als Plakat in der Praxis meines Berliner Arztes. Da steht drauf: ‚Nüchtern betrachtet ist besoffen besser‘.“

 

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