Bildung in Deutschland – ein skandalöses Trauerspiel

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Sicherheitsdienste an Berliner Grundschulen

Mit Sicherheitsdiensten an Grundschulen beginnt in Deutschland inzwischen Bildung … und die interessante Frage steht im Raum: Wo endet das?
Ich traute meinen Augen nicht, als ich – 30 Jahre lang Lehrerin an Grund- und Hauptschulen in NRW – über aktuelle Zustände und Probleme an deutschen Schulen zu recherchieren begann.
2003, also vor 15 Jahren, erschien mein Buch über den Schulalltag an deutschen Grund- und Hauptschulen in NRW. Heute, nachdem zwischen 2014 und 2016 um die 221.000 Kinder und Jugendliche zwischen 6 und 18 Jahren mit Asylantrag ins deutsche Schulsystem einwanderten und seit Ende 2016 noch mehrere Hunderttausend unbearbeitete Anträge aller Altersgruppen für weitere Mengen an Schulkindern sorgen, fragt man sich: Und wo sollen so urplötzlich die Lehrer für die „nicht Deutsch sprechenden Kinder“ herkommen? Die vorhandenen Pädagogen hatten schon genug damit zu tun, alle bildungs- und erziehungsspezifischen Defizite samt ihrer neuen Aufgabe der Inklusion zu bewältigen. Und so wundert man sich nicht darüber, dass nicht allein an Grundschulen Schulleiterstellen unbesetzt bleiben und kaum ein Kollege den Rücken beugen will, um einerseits der Schulbehörde und ihren Forderungen nachzukommen und sich andererseits mit Verständnis und Solidarität vor die Lehrerschaft zu stellen, die ihre Gesundheit zu Markte trägt. An deutschen Grundschulen fehlen inzwischen 1.000 Schulleiter und 20.000 Lehrer, um einen vollständigen Unterricht zu gewährleisten.
Schon vor Jahren übernahmen Studenten in vielen Bundesländern den Unterricht, wenn Lehrer ausfielen. 2.000 Verträge für Vertretungen wurden von August 2009 bis März 2010 allein in Berlin geschlossen. Aus einer Umfrage der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) Berlin ging hervor, dass die Hälfte der Vertretungslehrer keine pädagogische Ausbildung hatte. Aber wie in vielen Bereichen, in denen die Politik mitmischt, ist keine Änderung in Sicht. 2016 stellten Schulen schon Studenten heimlich als Klassenlehrer ein. Geld sparen, Menschen ausnutzen und überfordern und das alles politisch in seichte und schöne Worte packen ist inzwischen eine typisch deutsche Verfahrensweise.
An Nordrhein-Westfalens Schulen unterrichten immer mehr Quereinsteiger. Beinahe jeder zehnte (9,8 Prozent) der insgesamt 5.563 Lehrer, die für das Schuljahr 2017/18 eingestellt wurden, war in dem Beruf vorher nicht tätig.
Kritisch muss dabei bewertet werden, dass die Seiteneinsteiger nach einer allgemeinen Einführungswoche zum Teil vom ersten Tag an allein vor der Klasse stehen, manchmal ohne jegliche pädagogische Erfahrung.
Die neue Schulministerin in NRW Yvonne Gebauer (FDP) hat sich zum Ziel gesetzt, verstärkt auf Seiteneinsteiger zurückzugreifen, um den Lehrermangel und den massiven Unterrichtsausfall zu mildern.

In einem Oberhausener Gymnasium ging eine Schülerin, die mit einer Entscheidung der Sportlehrerin nicht einverstanden war, auf die Pädagogin los, trat und biss die Frau. Seither gehen immer zwei Sportlehrer in die Klasse – zur Sicherheit.
Hochgerechnet seien mehr als 45.000 Lehrkräfte (sechs Prozent) an allgemeinbildenden Schulen bereits Opfer von tätlicher Gewalt geworden. Zu den körperlichen Angriffen gehörten etwa Fausthiebe, Tritte, An-den-Haaren-Ziehen oder das Bewerfen mit Gegenständen.

Muss man sich da wundern, dass die Schulen massiven Lehrermangel zu beklagen haben? Wenn 45.000 angegriffene Lehrkräfte aus Sicherheitsgründen stets mit einem zweiten Kollegen unterwegs sein müssen, bleibt es nicht aus, dass eine solche Doppelbesetzung zu einem massiven Lehrermangel führt. Das sahen einige Schulleiter ähnlich und beauftragten externe Sicherheitsdienste zum Schutz der Anwesenden.

So weit hat es die von Angela Merkel 2010 ausgerufene Bildungsrepublik Deutschland inzwischen kommen lassen. Unterrichtsausfall, Lehrer- und Schulleitermangel, Integrations- und Inklusionsprobleme, Gewalt an Schulen mit Sicherheitsdiensten vielleicht schon bald in Kitas. In großen Fachartikeln und dicken Fachbüchern wird nach Ursachen für kindliche Gewalt geforscht und so finden wir Begründungen in der Vererbungstheorie, dem Triebmodell von Konrad Lorenz, in Freuds Psychoanalytischem Persönlichkeitsmodell, in der Soziologischen Ursachentheorie und bei der Betrachtung des Sozialen Umfeldes.
Meine Erfahrung nach fast 30 Jahren Lehrerdasein im Schuldienst ist weniger wissenschaftlich. Ursache für den furchtbaren Zustand an deutschen Schulen sind das staatliche SchulUNwesen und der weit verbreitete elterliche Erziehungsnotstand – nachzulesen in meinen Bildungsbüchern „Deutschlands kaputte Kinder“ und „Kinder wieder ganz machen“.

Man darf die Hoffnung hegen, dass sich mit der anstehenden großartigen Digitalisierung unserer Schulen für fünf Milliarden Euro (siehe Koalitionsvertrag) das Gewalt-Problem von alleine löst. Die Schulministerin von Nordrhein-Westfalen, Yvonne Gebauer (FDP), hat nämlich zwecks schneller Digitalisierung einen Vorschlag gemacht, wie private Initiative helfen kann. Die Schüler hätten ja schon fast alle ein Smartphone, sollten sie es doch in den Unterricht mitbringen dürfen. Und schon wird jeder Lehrer überflüssig, denn die große zukünftige Wissensvermittlung läuft jetzt digital ab. Bildungspolitik ausgestattet mit dem Gütesiegel „Fachleute am Werk“.

Das Buch des amerikanischen Psychologen und Autors Haim Ginott „Teacher and Child“ endet mit folgendem Epilog: „Liebe Lehrer, ich bin Überlebender eines Konzentrationslagers. Meine Augen haben gesehen, was niemand je sehen sollte. Gaskammern, erbaut von gelernten Ingenieuren; Kinder, vergiftet von ausgebildeten Ärzten; Säuglinge, getötet von geschulten Krankenschwestern; Frauen und Babys, erschossen und verbrannt von Hochschulabsolventen. Deswegen bin ich misstrauisch gegenüber Erziehung. Meine Forderung ist, dass Lehrer ihren Schülern helfen, menschlich zu werden. Ihre Anstrengungen dürfen niemals führen zu gelernten Ungeheuern, ausgebildeten Psychopathen, studierten Eichmanns. Lesen, Schreiben, Rechnen sind nur wichtig, wenn Sie dazu dienen, unsere Kinder menschlicher werden zu lassen.“

Ein Plädoyer für den Schwerpunkt von Schule, Bildung und Erziehung: Seele und Menschlichkeit. Bildung ohne Seele bleibt hohl. Seele erfordert nämlich den ganzen Menschen – Herz, Hand und Hirn. Wieviel davon sind heute noch in unseren Schulen und Elternhäusern vorhanden?
Danach zu forschen und Wege dorthin zu finden muss bildungspolitische und gesellschaftliche Aufgabe werden.

Und hier die Klage der Wiener Kollegen zum Zustand von Schule und Bildung.

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Ein Gedanke zu „Bildung in Deutschland – ein skandalöses Trauerspiel“

  1. Bildung ohne Seele bleibt hohl. Seele erfordert nämlich den ganzen Menschen – Herz, Hand und Hirn.

    Volle Zustimmung!!!

    Wieviel davon sind heute noch in unseren Schulen und Elternhäusern vorhanden?

    Wie sollen sich Eltern darum Kümmern, wenn sie nur noch Arbeiten / Schuften müssen?

    Zwei, drei, vier (neudeutsch) shit jobs, um überhaupt über den Monat zu kommen.

    Wozu Geschäfte, die vom frühen Morgen bis in die Nacht geöffnet sind – sein sollen?

    Für wen?
    Für Personen, die sich nicht organisieren können, oder für die
    raffgierigen Kapitalisten, die den Hals nicht voll bekommen?

    Es geht hier nur um Gewinnmaximierung – maßlose Raffgier weniger charakterloser Personen und ihrer Helfer.

    Was spricht gegen Quereinsteiger? Manchmal sind diese viel besser, als die so (ein-)gebildeten Voll-Lehrer/innen.

    Die Quereinsteiger zeigen die Anwendungsgebiete z.B. in Mathematik, Physik, usw., usw..

    Die CDU und ihre fragwürdigen Kandidaten hatten vor den Landtagswahlen damit geworben das sie für die Wiedereinführung der G9 für das Gymnasium sind.

    Jetzt heißt es, daß die dubiosen Schulleitungen darüber entscheiden sollen.

    Unser Kinder wurden und werden von euch fragwürdigen Politiker/innen für eine … Industrie, Banken, Versicherung,…
    verheizt, …

    Nur noch !!! Funktionseinheiten !!! ohne Zeit für die persönliche Entwicklung.

    !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
    Woche für Woche neuen Stoff – auf Blättern mit Mikroschrift.
    D.h. 2 bis 3 DIN-A4-Seiten auf eine DIN-A4 zusammen-/herunter-kopiert.

    Eine nicht lesbare Schrifthöhe von 1,2mm ist Standard geworden.

    So etwas nenne ich kriminell, wenn wir Eltern und unsere Kinder die Mitteilungen und Aufgaben zum Teil nicht bzw. nur noch mit der Lupe lesen können !!!

    Körperliche und seelische Gewalt durch Mitschüler/innen und Schulleitung und Lehrer/innen. Lehrer/innen die bei Gewalt wegsehen, Mobbing fördern
    und unterstützen – oder erst damit anfangen.

    Offene Bevorzugung von Mädchen.

    Wenn Jungen gegenüber Mädchen benachteiligt werden,
    Klassen so gespalten werden !!!,
    statt Solidarität, Respekt und Achtung zu fördern.

    Mädchen werden offen bevorzugt, bei gleicher oder schlechterer Leistung erhalten bessere Noten,
    Jungen bekommen auf ihre Fragen keine Antworten, … und Mädchen erhalten diese.

    Beschwerden dazu wurden von den Lehrerinnen und den „Lehrern“ „belächelt“.
    Mädchen sollen bevorzugt werden. Viele Mütter finden das gut.

    ??? Nur was wollen diese Mütter später für Schwiegersöhne ???

    Waschlappen, die den angeblichen „Supertöchterchen“ „hinterher Dackeln“,…
    und wenn es darauf ankommt weglaufen, … statt zu Familie und Frau zu stehen.

    Supertöchterchen – die sich maßlos selber überschätzen, und doch nichts auf die Reihe bekommen,
    Angst haben z.B. als „Architektin“ auf die Baustelle zu gehen, ….
    Nicht Wissen was eine „TÜV-Abnahme-fähige Anlage“ ist, was VdS bedeutet, was Betriebsmittel-Kennzeichnung ist, …..
    aber super Noten haben, und durch Frauenquoten die Anstellungen bekommen.

    Eingebildete Lehrer und Lehrerinnen, die nur wegen super Bezahlung, viel Urlaub und Freizeit und viele andere Vorteile Lehrer/innen werden.

    Solche Personen, die nicht geeignet sind, sich nicht dazu berufen fühlen zu Lehren und den Schülern/innen beizubringen, wie man lernt zu Lernen.

    So eine Schule und Schulleitung hat kein Recht alleine darüber zu entscheiden, daß die G8 bleiben soll !!!

    Nur für die Klassenarbeiten „Pauken“ ist nicht das Ziel einer Schul- oder Hochschulausbildung.

    Das Wissen muß sich „setzen“
    – Kurz-, Mittel- und Langzeitgedächtnis sollte bekannt sein.
    Lernen zu lernen und Spaß und Freude am Lernen sollte das Ziel sein.

    Für zu viele Lehrer/innen nur Fremdworte.
    Interessiert Sie nicht. Nur „Stoff“ „durchpauken / -hämmern“ – !!!
    !!! Verluste egal !!!

    !!! Nur diese Verluste sind unsere Kinder !!!

    Das wird nicht weiter so akzeptiert !!

    Zum Teufel mit der G8 / mit den Turbo-Abi und ihren Befürwortern und gekauften, gesponserten, …. Politikern/innen.

    „Überflieger – Kinder“ hatten und haben die Möglichkeit Klassen zu überspringen !!!

    Wozu der Mist G8 ?
    Selbst die Auftraggeber der G8 aus Banken-, Industrie-, … Seilschaften sind mit den Ergebnissen unzufrieden.

    Wer von den fragwürdigen Befürwortern hätte die G8 bestanden?

    Von anderen etwas fordern – aber selbst nichts auf die Reihe bekommen.

    Wir Eltern (ca. 75% und mehr) wollen den Mist G8 / Turbo-Abi nicht.

    Wir wollen nicht der Willkür so einer Lehrerschaft und Schulleitungen nicht ausgeliefert sein.

    Samstag, 11. Februar 2017 – Herr Lange/CDU wirbt – loben Elterninitiative „G9 Jetzt“.

    Waren das alles nur Lügen, um die Landtagswahlen zu gewinnen?
    Nur Geschwätz von Gestern?
    Wessen Brot ich eß, dessen Lied ich sing.

    Wir fordern klare Abschaffung der G8 / des Turbo-Abi- ohne wenn und aber. Sofort !!!

    Lehrer/innen sind für die Kinder / Schüler/innen da, und nicht umgekehrt.

    Aber was soll man schon von Lehrer/innen erwarten, die nicht dazu befähigt sind, sich nicht dazu berufen füllen, …
    zu lehren, den Schüler/innen beibringen zu wollen, wie man lernt zu Lernen, Spaß und Freude am Lernen, die Anwendungen des „Stoffes“.

    Wo kann man was anwenden?

    Wozu Dreisatz, Prozentrechnung, Diffential- und Integralrechnung usw., usw..?

    Eine „Lehrerschaft“, die,
    „Von der Schulbank – Vor die Schulbank gestellt wird“.

    Beherrscht nicht einmal die Rechtschreibung,
    Mathematik, Physik,….. für zu viele Fremdworte,

    Beschwerden über Handwerker- / Fachkräftemangel.

    Selber nicht ausbilden wollen. Nur ernten und nicht säen und sich jetzt beschweren.
    Zu schlechte Bezahlung und Wertschätzung der Handarbeiten.

    „Sesselpupser“
    – Wer installiert euch die Strom-, Wasser- u.a. Leitungen?
    – Wer baut die Häuser?
    – Wer fährt die Lkw`s und baut die Straßen und Autobahnen?
    – Wer putzt und bringt und entsorgt den Dreck, an dem ihr
    ersticken würdet,
    wenn alle nur „Sesselpupser “ wären?

    Nur den Kindern wird seit zu langer Zeit eingeredet, daß das Abitur sein muß, um eine Ausbildung zu erhalten.

    Die Wertschätzung für das Handwerk – die Basis jeder Gesellschaft und Industrie wurde und wird zu wenig gewürdigt!!!

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